Edition Alpha et Omega

 

 

 

 

Das Zend-Avesta


Textauszug (Unbekannte Begriffe werden im Buch erläutert.)




Vom Urbeginn

Zend lehrt uns, dass im Urbeginn Ormuzd und Peetiare Ahriman das Wesen (der Schöpfung) mitgeteilt wurde und wie dann die Welt ihrem Ursprung nach entstand (und wie sie sich entwickeln wird) bis zum Ende, (bis) zur Totenauferstehung. Denn so steht es deutlich im Gesetz der Mehestans, dass Ormuzd, erhaben über alles, mit höchster Weisheit, mit Reinheit im Lichtkreis der Welt lebte. Dieser Lichtthron, Ormuzds Wohnung, ist, was man „Erstes Licht" nennt. Und diese allübertreffende Weisheit, diese Reinheit, Ormuzds Geschöpf, ist das Gesetz.

Beide, Ormuzd und Ahriman, sind dem Lauf ihrer Existenz unterworfen, allein das Volk der ungrenzbaren Zeit, nämlich der herrliche Ormuzd mit dem Gesetz, (das bedeutet) Ormuzd war also in der Zeit (bereits enthalten), ist in ihr, und wird in Ewigkeit in ihr sein.

Ahriman, auch durch die Zeit geschaffen, wohnte mit seinem Gesetz in den Finsternissen. Er hat immer geschlagen und ist von je her böse gewesen, und er ist es immer noch, wird aber einst nicht mehr böse sein und nicht mehr schlagen. Seine Urwohnung war die erste Finsternis. Er, der Böse, war allein in ihrer Mitte. Diese beiden Wesen, in Unendlichkeit des Guten oder Bösen verschlungen und ohne Grenzen künftiger Fortdauer, wurden sichtbar durch Vermischung. Ihre Wohnungen, das erste Lichtreich des großen Ormuzd und Ahrimans Urfinsternis, hatten auch keine Grenzen. Einsam lebten sie in der Mitte dieser Abgründe. Und einer nahte sich zum anderen. Jedes dieser Urwesen war begrenzt nach seinen Bereich. Ahriman weiß ebenso wie Ormuzd alles. Beide haben alles, was geschaffen ist. Ormuzd ist (sowohl) begrenzt, (als auch) selbst ohne Grenzen, denn er durchschaut die Schranken der Macht beider in Unendlichkeit verschlungenen Wesen. Und Ahriman ist (sowohl) Sklave (als auch) König.

Ormuzds Volk wird nach der Totenauferstehung endlos bestehen, ewig, wie der Lauf der Wesen.

Die Genossen Ahrimans werden verschwinden, wenn einst die Toten wieder leben. Er selbst wird ohne Ende sein.

Ormuzd kannte nach seiner allumfassenden Weisheit das listige Unterfangen der argen Wünsche Ahrimans, wie er bis ans Ende seine Werke mit den Wirkungen des guten Wesens vermischt sein würde und wie seine Macht enden würde.

Darauf sprach Ormuzd: „Ich muss durch meine Macht das Volk des Himmels schaffen. Da schuf er in dreitausend Jahren den Himmel (und sein Volk). Und dieser Ahriman, immerfort zum Widerstand gegen das Gute auf Böses sinnend, war unbekümmert um das, was vorging, denn Ahriman wusste nicht, was Ormuzd wusste.

Endlich erhob sich der Grundarge und näherte sich dem Licht. Als er nun Ormuzds Licht erblickte, so wollte er, dem nie Gutes in den Sinn kommt, der an nichts anderes denkt, als wie er als Darudj alles zerschlagen und zerstören kann, er wollte das Licht verschlingen. Aber durch dessen Schönheit, Glanz, Erhabenheit geblendet, stürzte er von selbst in seine vorherige dichte Finsternis zurück und zeugte ein großes Heer von Dews und Darudjs zur Plage der Welt.

Ormuzd, der alles weiß, erhob sich, sah Ahrimans Volk, sein grässliches, schreckliches Volk, dessen Hauch nur Fäulnis und Bosheit ist, unwert der Schöpfung. Ahriman erblickte Ormuzds Volk, sein Volk in Scharen, sein Volk in Herrlichkeit, über welches der in Ewigkeit Verschlungene den Schöpfungsbeschluss fassen musste, das der Schöpfung wert war und welches Ormuzd für würdig erklärt hatte.

Ormuzd indessen, welcher wusste, wie zuletzt Ahrimans Werk doch ein Ende nehmen müsste, bot ihm Frieden an und sprach: „O Ahriman, hilf der Welt, die ich geschaffen habe, ehre sie. Und dein Geschaffenes soll unsterblich sein, nicht altern, nicht zerrütten, nicht Mangel haben."

Ahriman antwortete: „Ich verwerfe jeglichen Freundschaftsbund mit dir. Dein Volk soll meine Hilfe nicht haben, es soll von mir nicht geehrt werden. Zu keinem Werk der Reinheit werde ich mit dir einstimmen. Plagen will ich dein Volk solange Äonen dauern. Ich, ein Grundfeind all deines Geschaffenen, ich (will) mit dir (keine) Freundschaft schließen!" So sprach Ahriman. Ormuzd konnte weiter nichts tun. Ahriman verwarf den Frieden, zu dem sich Ormuzd neigte, und bedrohte ihn mit Krieg.

Ormuzd sprach: „O, du weißt nicht alles und kannst nicht alles, Ahriman! Du sollst mich nicht beunruhigen (mich durch Krieg bestürmen). Jetzt kannst du meinem Volk nichts anhaben, weil ich nicht von ihm weiche und ich alles nach meiner allerhöchsten Weisheit weiß. In dieser Zeit werde ich nicht mit dir kämpfen, und wenn du Krieg anfängst, wird deine Macht nicht zur Zerstörung meines Volkes reichen. Aber du selbst wirst wirken können, weil die Menschen sich durch Vereinigung vervielfältigen und viel Übles schaffen werden." Ormuzd, der Reine, sprach auch: „O Ahriman, wenn du im Lauf der neun Jahrtausende mein Volk bekämpfst, so wisse, dass du nach Ablauf dieses Zeitraums deiner Wirksamkeit von Ohnmacht überwältigt werden wirst."

Ohne Vorbedacht und Weisheit antwortet Ahriman auf diese abgewogenen Worte: „Dennoch will ich, wenn zwei Menschen sich verbinden, wenn diese Zeit kommt, deine Welt bestürmen bis zum letzten Tag."

Ormuzd wusste in seiner allerhöchsten Weisheit, dass er in neun Jahrtausenden drei Jahrtausende hindurch allein regieren müsste, dass in den drei folgenden Jahrtausenden seine Wirkungen vermischt sein würden und dass 3000 Jahre Ahriman gegeben wären und dass Ahriman am Ende der Jahre machtlos sein und der Vater des Bösen von den Geschöpfen geschieden werden würde.

 

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