Edition Alpha et Omega

 

 

                                                             
 

Das Zend-Avesta
Ulrich Hannemann (Hrsg.)
 

2 Bände, Pb.; 166, 511 Seiten; 27 Abb.; EUR 49,50

Weißensee-Verlag, Berlin 2011; ISBN 3-899-98199-5.

Bearbeitete Neuauflage der Ausgabe von 1776
Zend-Avesta
Zoroasters lebendiges Wort,
worin die Lehren und Meinungen dieses Gesetzgebers von Gott, Welt, Natur, Menschen;
desgleichen die Zeremonien des heiligen Dienstes der Parsen usw. aufbewahrt sind.
Johann Friedrich Kleuker, Abraham H. Anquetil du Perron
Riga, 1776 bey Johann Friedrich Hartknoch

©W eißensee Verlag, U. Hannemann

 

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Aus dem Vorwort der Neuausgabe:

Die deutsche Ausgabe des Zend-Avesta wurde erstmals von Johann Friedrich Kleuker im Jahre 1776 als Übersetzung des französischen Originals heraus-gegeben. Dieses war nur wenige Jahre vorher von Anquetil du Perron veröffentlicht worden. Die zweite deutsche Auflage, und bis heute die letzte, erschien 1786. Für die vorliegende Neuausgabe bedurfte es folglich beachtlicher 225 Jahre.

Lange Zeit also hat man im deutschsprachigen Raum die heiligen Schriften der Religion Zarathustras in der Öffentlichkeit nahezu vollständig aus den Augen verloren. Dies mag nicht zuletzt daran gelegen haben, dass die zarathustrische Religion in ihrer Ausformung des Parsentums im Vergleich zu den großen Weltreligionen nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt.

Über die historischen Lebensdaten Zarathustras besteht unter Fachleuten kein Einvernehmen. Die Schätzungen gehen mit ca. 1800 bis 600 vor unserer Zeitrechung weit auseinander.

Die Konzepte seiner Lehre von Himmel (Gorotman), Hölle (Duzakh) und Paradies (Behescht), von der Auferstehung der Toten, von Sünde und Vergebung, vom Teufel (Ahriman) und von den Engeln (Izeds) dürften weitreichenden Einfluss auf die Ausgestaltung sowohl der jüdischen als auch der christlichen Lehre gehabt haben. Selbst die Ideen des Fegefeuers und des Heiligen Geistes (Feruer) waren in seiner Religion bereits angelegt. Darüber hinaus hat auch das der zarathustrischen Lehre zugrunde liegende Konzept einer Zeit vor aller Zeit, die in Unendlichkeit verschlungen ist, als unbeschreibbare ursächliche Realität und als Ursprung aller Schöpfung große Gemeinsamkeit mit der in den Upanishaden Indiens beschriebenen Vorstellung des absoluten Brahman. Vielleicht ist dies auch der Grund dafür, dass die Lehre Zarathustras in Indien besonderen Anklang und Anerkennung gefunden hat.

Bei „Zarathustras lebendigem Wort" handelt es sich unzweifelhaft um ein ähnlich bedeutsames Erbe früher geschichtlicher Geistesgröße, wie es die Schriften Buddhas, Laotses oder die des Konfuzius darstellen. Umso befremdlicher scheint es, dass seit so langer Zeit im deutschen Sprachraum keine lesbare Ausgabe dieser Schriften vorhanden war.

Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts gab es in Europa niemanden, der in der Lage gewesen wäre, die alten persischen Schriften, von denen einige zuvor bereits nach Europa gebracht worden waren, zu entziffern. Im Jahre 1754 machte sich der Franzose Abraham H. Anquetil du Perron zu einer abenteuerlichen Reise nach Ostindien auf, um die alten Sprachen Zend (Altpersisch, auch Avestisch) und Pahlavi (Mittelpersisch, auch Pehlvi) zu erlernen. Zugleich hatte er sich vorgenommen, Kopien der Originalschriften von Zarathustras Lehre zu beschaffen. Mit unglaublicher Energie, aber auch wenn nötig mit Geld und Erpressung gelang ihm schließlich beides. Im Jahre 1762 konnte er sowohl die Originalschriften des Zend-Avesta als auch seine französische Übersetzung der damaligen gelehrten Welt vorlegen.

Bei den Texten selbst handelt es sich ganz überwiegend um Ritualliteratur, religiöse Gesetze, Gebete und Anrufungen, aus denen sich das Gesamtkonzept der Religion und Philosophie der Lehre Zarathustras erschließen lässt.

Bei der Bearbeitung der vorliegenden Neuausgabe stand das Anliegen im Vordergrund, eine auch dem Laien verständliche und lesbare deutschsprachige Ausgabe des Zend-Avestas zu übergeben.

An der guten Lesbarkeit des Gesamtwerkes wird es schon im 18. Jahrhundert gemangelt haben. Die Vermischung von Textteilen, Kommentaren und redaktionellen Teilen, über tausend Fußnoten, die erwähnten Kürzungen des Textes mit vielen Verweisen auf andere Textstellen und eine wohl damals schon durch die Übersetzungstreue verursachte komplizierte Wortwahl und Satzstellung werden einen wesentlichen Anteil daran gehabt haben, dass so lange Zeit eine Neuausgabe nicht in Angriff genommen wurde.

Mit der vorliegenden Ausgabe wurde eine Neuanordnung der Texte im Gesamtwerk vorgenommen, die Fußnoten wurden auf ein sinnvolles Maß gekürzt, auf einige kommentierende und redaktionelle Textanteile sowie auf umfangreichere philologische Anmerkungen wurde verzichtet. Soweit es möglich war, wurden jedoch die von Kleuker gekürzten Teile des Originaltextes wieder in ihre ursprüngliche Form gebracht, weil diese Kürzungen aus heutiger Sicht eher als eine Verstümmelung des Ursprungstextes verstanden werden müssen.

Die Sprache des 18. Jahrhunderts wurde darüber hinaus behutsam in verständliches Deutsch übertragen. Einige wenige Textstellen, deren Bedeutung nicht mehr eindeutig nachvollziehbar war, wurden in der ursprünglichen Fassung belassen. Der Begriff Perser, oft als Synonym für Parsen gebraucht, wurde durch diesen Begriff ersetzt, wenn es sinnvoll war. Die Satzzeichen wurden zum Teil ebenfalls unverändert übernommen, um das Verständnis des Textzusammenhangs zu unterstützen.

Die griechische Namensform Zoroaster wurde durch die inzwischen gebräuchlichere, Zarathustra, ersetzt. Die verwendete mittelpersische Fassung Ormuzd für den höchsten Gott Ahura Mazda wurde belassen. Die Abbildungen wurden der Ausgabe von 1776 entnommen.

 

Inhalt und Textauszüge  


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